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Chronik einer 3- tägigen Wanderschaft
von Baden Baden nach Offenburg (62 km) + Umwege
Autor: Kurt Kupper (16. bis 18. Oktober 1987)
1. Tag
Am Freitag, den 16.10. ist's soweit
Wir treffen uns bei der "Einigkeit"
Dort ließen die "Männcherchörler" einen fahren
Das ist halt deren "Einigkeitsgebaren"
Davon kriegen sie nicht genug
Fahren halt zugern mit'm Zug
Wollten schonen noch Ihre Waden
So ist's bequemer nach Baden-Baden
Doch Karl machte zunächst noch schnell
Einen Männerchor-Wanderer-Zähl-Appell
Auf Elf hatte man schnell gezählt
Stellten fest: Einer fehlt
Horst glaubt, es sich noch nicht lohnt
Am ersten Tag, er sich lieber schont
Doch wir haben all sofort gecheckt
Sei Zornröschen lässt'n so früh nit weg
Alles ist toll organisiert
Im Zug 12 Plätze reserviert
Auf den ersten Blick stellten wir es fest
Der Karl ist schon hier gewest
Auf jedem Zugfenster optisch gut plaziert
Ist "Rancher Karl" drauf "ge..ziert"!
Damit ist das Losungswort geboren
Die Wandergrupp zu "Ranchers" auserkoren
Nur OB Helmut wird ganz blass um`d Nas
Sein Adjudant gibt schon für de Wahlkampf Gas
Plakatiert jetzt sogar schon im Zug
Das geht zu weit, Karl jetzt esch's genug
In Baden Baden steigen wir dann aus
Fahrn mit'm Bus zum Kurhaus naus
Zum erstenmal müssen wir nun schwitzen
Beim Anstieg zu den ersten Spitzen
Durch den Wald geht es weiter
Vorbei am Südwestfunk, - leider
Es knüppeln stramm die Knüppel-Bäncher
Vun der Männerchörler Wander-Rancher
Noch wird noch nicht gesungen
Weil jeder pfeift auf seinen Lungen
Endlich heist's dann in Varnhalt
Zur Brotzeit jetzt das Ganze halt
Den Rucksack rauf, den Rucksack runter
Das hält die ganze Mannschaft munter
Im Weinberg hängen reif die Trauben
Herbert fängt schon an zu rauben
Herbst pfeift mal den Elwedritschern
Oh Wunder, die fangen wirklich an zu zwitschern
Weiter knüppeln die Knüppel-Bäncher
Vun der Männerchörler Wander-Rancher
Doch zunächst sind ein paar zurück geblieben
Haben Probleme noch mit Ihren Riemen
Schließlich reibt sich vielleicht de Rolf
Wegen dem langen Riemen einen Wolff
Auch de Karl, er zerrt und zurrt
Jeder vun den beiden murrt
Weil der Rucksack äfach nit richtig sitzt
Hoppelt un schwappelt und der drunner schwitzt
Nun geht's in's nächste Dorf hinein
Herbert klingelt nach neuem Wein
Fehlanzeige, - nichts gewässt
Glei donoch wär'n mer noch durchnässt
In Neuweier hat's Karl wieder rumgetrieben
Hat Probleme noch mit seinem Riemen
Es wird weiter hinten rumgebummelt
Am Rucksack-Riemen rumgefummelt
Doch weiter Knüppeln die Knüppel-Bäncher
Vun de Männerchörler - Wander-Rancher
Die Politiker marschieren an der Spitze
Die "kulturellen" machen hinten Witze
Damit de Burschemäschter sofort informiert
Karl die Schirm-Antenn am Rucksack führt
Sie tut ihn zwar beim Laufen stören
Doch die Nachhut muss man stets abhören
Bei dem Kurt muss man aufpassen wo man bleibt
Man muss ständig wissen, was der hinten treibt
Weinwandern ohne Wein, - das ist doch doof
Herbert klingelt am "Burgunderhof"
Was wollt Ihr, - des "Neuen" Saft
Den gibt nur in der Wein-Wirtschaft
Es bleibt uns keine ander Wahl
Ohne Wei geht's nunner nach Affenthal
Im Gasthof "Weinberg" kehren wir dann ein
Statt "Schoppen" gibt es "Viertelein"
Dann in froher Tafelrunde
Führten den "Neuen" wir zu Munde
Ich kann leider nur eins probieren
Sonst tu ich abends wieder kolabieren
Der Herr erzählte nun seinen Jüngern
Von früher und von den "Hebriden-Spinnern"
Götz hört's und glaubt ihm alles
Darum ist er sein Lieblingsjünger Johannes
Um Halb Zwei mussten wir dann wieder
In Bewegung bringen die müden Glieder
Durch die Weinberge geht's wieder rauf und runter
Wir werden schnell dann alle wieder munter
Wieder tun wir trocken laufen
Alle sind beschäftigt mit dem Schnaufen
Doch sind wir vom "Neuen" froh gestimmt
Und fast jeder jetzt mal kräftig singt
Vor Bühlertal wird nit lang gefackelt
Karl gibt's Kommando: "Jetzt wird gebachelt"
Und damit de Arsch kummt nit so kurz
Lassen gemeinsam wir in Moll nen Furz
Durch Bühlertal, durch Flur und Wald
Von innen heiß, von außen kalt
Als wir auf dem Weg zur Burg Windeck waren
Ließ Werner einen ohne "Furzschein" fahren
Die Gase blieben auf den Trauben sitzen
Der Winzer brauchte die nicht mehr zu spritzen
Vorbei an der Burg, dem Tag-Ziel zu
Neusatz wird erreicht im nu
Im " Löwen" wollte keiner sich mehr erheben
Denn es ging wahrhaftig um Tod und Leben
Keiner wollte vom Stammmtisch weichen
Sie quatschten von Toten und von Leichen
An diesem Abend tun laut alle spinnern
Erzählen der Herr speist hier mit seinen Jüngern
Schnell kommen biblische Sprüche auf
Emaus-Jünger haben wir uns getauft
Das ganze Lokal tut bald frotzeln
Ist's doch der Herr mit den 11 Aposteln ?
Plötzlich sagt der Karl gelassen
Auf den Hahn kann man sich stets verlassen
Glaubt wohl er sei des Herren Petrus
Ich schreibs auf mit viel Genuss
Dann sagt er noch er will es wagen
Zu Helfen dem Herrn das Kreuz zu tragen
Schließlich tut Karl dann auch noch mähne
Vielleicht sei er auch Simon von Sirene
Nach dem Essen geht es dann lustig weiter
In geselliger Rund froh und heiter
Rolf weiß was in der Verbandgemeinde läuft
Wieviel man wo, - und was man säuft
Wenn's im Stift gab's mittags Bohne
Tut sich ein Blick auf die Gasuhr lohne
Dort sieht er's deutlich, er esch nit dumm
Am Bohnentag geht se lätzrum rum
Ach vun Herxe dut er alles überlicke
All des dünne un all des dicke
Nach dem Stank- Gallus-Markt gibt's bei ihm Schwung
Das gibt Faulgaswerte fer d'Rülzemer Stromerzeugung
2. Tag
Guten morgen, wünscht in einem furt
Allen Wanderern de Karl und de Kurt
Horst hat heut nacht über sie gedichtet
Ihren Beischlaf sorgfältig abgewichtet
Trägt dann vor am Frühstückstisch
Über die beiden sei Gedicht
Es hören zu mit dicken Augenrändcher
Vun de Männerchörler Wander-Rancher
Samstag 9 Uhr, es gibt leichten Regen
Alle müssen sich sofort bewegen
Wir schnallen nun den Rucksack auf
Den Bitterweg geht es hinauf
Es fehlt nur Helmut noch der Weise
Der musste wieder mal noch sch........
Wir sahen gleich wieder die drei Wanderweiber
Gestern unsere mentalen Zeitvertreiber
Mancher hatte sie im Traum begehrt
Über Nacht hatten sie sich nun noch vermehrt
Das Glück liegt bekanntlich auf der Straße
Horst hatte dafür eine gute Nase
Tat einen Geldbeutel gleich finden
Konnte damit der Andrea winken
Wir marschieren drauf los jetzt wie verrückt
Wie schwer doch wieder der Scheiß-Rucksack drückt
Darin dürfte ruhig vieles fehlen
Dann lieber stinken, statt laufend quälen
Weiter gehts auf schönem Höhenpfad
Herrlicher Rundblick in der Tat
Die Emaus-Jünger vorne dran
Der "Herr" führt sie natürlich wieder an
An äm Wasser drücken unsere Blasen all
Die an de Füß, un die zwische de Bä vum Karl
Das Gemeinschafts-Entleeren tut allen gut
Schnell geht's wieder weiter mit neuem Mut
Um halb Elf pausieren wir in Sassbachwalden
Leider tun wir noch nicht endgültig halten
Weiter knüppeln die Knüppel-Bäncher
Von de Männerchörler Wander-Rancher
Jetzt geht's wieder steil hinauf
Schon wieder drückt de Sack, aber hintendrauf
Oben auf dem Höhensteg
Fließt der Schweiß dann kräftig weg
De Karl schifft an den Trauben nieder
Sagt: "Das gäbt Gewürz-Traminer"
Bergab durch Bäppel durchmarschiert
Un die ganze Schuh verschmiert
Über Wiesen und durch den Wald
Das Wetter trocken und mild statt kalt
Jetzt kommt Höhe zweihundertneunundsechzig
Schmaler Waldweg, es läuft sich prächtig
Plötzlich sind wir in einem Weinberg drin
Keiner weiß mehr genau wohin
Ein Bauer sagt runter, wir gehn rauf
Unser Anführer ist schuld an dem neuen "Schnauf"
Doch dann schau'n wir runter in's schöne Tal
Vergessen ist Schweiß und Lungenqual
Doch weiter knüppeln die Knüppel-Bäncher
Vun de Männerchörler Wander-Rancher
Wir denken gerade an Mittagspause
Denkt de Herbert plötzlich laut an's Mause
Kappelrodeck wird dann erreicht
Hier gibt's einen Pausenplatz vielleicht
Kurt's Miene jetzt sich schnell erhellt
Sieht Fatamorgana, - sieht ein Zelt
Schnell sucht er noch den Wirt
Die hungrigen Wanderer hinein geführt
Das ist der ideale Vesper-Ort
Keiner will mehr von hier fort
Der Wirt bietet roten neuen Wein
Die Brotzeit schmeckt jetzt doch sehr fein
Zum Glück tat der Herbert früh am Morgen
Im Geschäft sich Knoblauch besorgen
Der wird verteilt jetzt an jeden Mann
Damit jeder gleichermaßen stinken kann
Nur für Nacht's macht man sich Sorgen
Man will noch "Ohropax " besorgen
Wirkt das auch gegen Knoblauch doch
Verschließt ein jedes Stinkerloch
Auch der Darm macht dann kein Verdruss
Dank dem Ohropax-Verschluss
De Helmut Braun mischt "Neuen" mit "Mexo-Mix"
Weil er dringend braucht noch nen guten Schiss
Kurt sieht jetzt eine gute Chance
Bläst Pfeifen-Rauch in OB's Nase
Wenn es ihm sowieso wird schlecht
Dann gleich richtig, dann gleich recht
Denn bei großem Jammer und großem Weh
Sin sei zwä Beruhigungs-Jünger jo in seiner Näh
Auch Jünger Sankt Baldrian der gute Mann
Horst schaut schon dass er ihm helfen kann
Nach dem Essen tat's dann beginnen
Alle tun jetzt kräftig singen
Frisch gestärkt un mit guter Miene
Froher Gesang dann auf der Bühne
Kurt macht Entetrainer und viel Quatsch
Das Puplikum begeistert,- hat Applaus geklatscht
Pünktlich jedoch dann um halb Zwei
Ist's mit Quatsch und Mittagspaus vorbei
Schon nach kurzer Zeit, - oh Schreck
Schreit OB Helmut, - " mein Stock esch weg "
Rennt zurück ganz außer sich
Alle lachen fürchterlich
Der Stock ist nämlich längst schon da
Am Kurt sei'm Rucksack hennedra
Der und de Karl die Apostelbrüder
Dem Herrn gern Streiche spielen hin und wieder
Wieder nach ganz kurzer Zeit
Ist`s wiederum mal soweit
Bei einem Weinstand hatte es jetzt gefunkt
Nun kam der kulturelle Höhepunkt
Vor einer Schaar aus Ostwestfallen Schrägstrich Lippe
Nahm Kurt die alle auf die große Schippe
Er stellt uns vor als die Tramps vun de Palz
Wir seien auf der großen Walz
Wir singen ein Ständchen laut und fein
Ein Spender spendiert zwölf Viertelein
Ein "Karajan" muss her mit Filmerfahrung
Das ist jetzt die neueste Offenbarung
Kurt ernennt schnell so eine Ostwestfalen -Größe
Zum "Wolfgang von Tesa-Film" unter viel Getöse
Der dirigiert mit Gefühl und viel Schmalz
Die Rancher-Singers vun de Palz
Weiter rollt ab die große Schau
Mit Gesang, Getöse und viel Radau
Kurt ist's in seinem Element jetzt ganz
Macht auf dem Tisch den Rucksack-Tanz
Die Verbrüderung ist nun perfekt
Wir kommen jetzt dort kaum noch weg
Alle sind hin und hergerissen
Haben vor Lachen sich fast voll geschissen
Zum Schluss ist noch ein Berliner da
Fragt unsern OB, "Na Kollege, - Grenzgänger wa ?"
Doch nun wird's Zeit wir müssen gehn
Singen zum Schluss noch " Auf Wiedersehn ..."
Die Sonne jetzt vom Himmel lacht
Das Wandern richtig Freude macht
Inzwischen wird es langsam drei
Auf der Höhe schnaufen wir wieder frei
Und weiter geht's auf Bergeshöhn
Fern wir Straßburg's Münster sehn
Dann geht es wieder in's Tal hinab
Wir fallen in starken Abwärts-Trapp
Das geht mächtig in die Knochen
Jeder tut unter dem Rucksack kochen
Jetzt geht's an einem Bach entlang
Das plätschern regt die Blasen an
Nit die an de Füß, die zwische de Bäh
Ach wie ist das "schiffen" schäh
Vorne geht's widder viel zu schnell
Wieder mal ist Zähl-Appell
Weiter geht es ab oh Wonne
In der schönen Abendsonne
Bald wird Oberkirch erreicht
Alle sind unten drunter feicht
Machen Quartier jetzt in dem Ochsen
Wir beziehen alle unser Boxen
Jeder macht sich zunächst mal frisch
Bis wir uns treffen zum Abendtisch
Später ging es dann noch sehr hoch her
Hemmungen hatte heut keiner mehr
Nur Kurt war wie immer stark verklemmt
Burschemäschter und Rektor halt nicht kennt
Anscheinend hatte er es geahnt
Dass die beiden gegen ihn ein Komplott geplant
Sie gaben es ihm dann knüppeldick
Zogen ab mit ihm ein starkes Stück
Er musste vor den beiden niederknien
Konnte vor Schreck nur noch den Kopf einziehn
Sie salbten und weihten ihn für immerdar
Mit Bier und Wein und Nivea
Er wusste gar nicht was da passiert
Hat sich unheimlich dabei geniert
OB Helmut sagt Ihr dürft jetzt alle toben
Damit habe ich Kurt auf meinen Thron gehoben
Aber zu Haus wird mir nichts erzählt
Bin schließlich bis 93 dort gewählt
Alles sollte Spass nur sein
Mit dem Thronerheben und dem weihen
Zum Schluss tat der Ob auch danke sagen
Er verteilt nur Lob es gab keine Klagen
Götz und Karl wurden hoch gepriesen
Für Planung und Durchführung und für's genießen
3. Tag
Sonntags um 9 ging es dann weiter
Stimmung und Wetter alles heiter
Auf der letzten Tour nicht mehr viel geschah
Wunderschönen Aussichten nach fern und nah
Auf dem Weg in einen Wald
Machen wir bei einer Kirche halt
Dringen sangen wir dann im Chor
Uns und anderen Lieder vor
Schön klang es und für mich steht fest
Andächtig sin mer ach gewest
Am letzten Tag, - die schönste Rast
Erbauliche Einkehr, rührend fast
Auf der letzten Etappe endlich dann
Stimmten wir endlich wieder Marschlieder an
Um drei in Offenburg war mit marschieren Schluß
Wir streckten die Beine aus mit Genuss
Mit dem D-Zug ging es dann zurück
Das 70 - Km lange Stück
Der Rest war schließlich bald geschafft
So endete unser Wanderschaft
Bei der Einigkeit stiegen wir wieder aus
So jetzt ist's mit dem Wandern Paus
Mit einem Zug ließen wir noch einen fahren
Als Männerchörler-Rancher "Einigkeitsgebaren"
Alles konnte ich nicht beschreiben
Manches muss für's Gedächtnis bleiben
Das Anständige jedoch sei aufgeschrieben
Als Erinnerung und für die Lieben
Wenn ein paar Ausrutscher doch dabei
Bedenkt es waren nur Männer, dann muss das sei
Manches ist halt so, - wie es halt ist
Dank sagt Kurt Euer Wander-Rancher-Gedichts-Chronist *
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